• Betriebsgeräusche von Windenergieanlagen

    Schall

    Die Illustration zeigt ein menschliches Ohr mit Schallwellen.

SCHALL

Windenergieanlagen erzeugen im Betrieb Geräusche, dessen Auswirkungen auf die Umgebung bei der Planung und Genehmigung sorgfältig geprüft werden. Um Anwohnende vor unzumutbaren Lärmbelastungen zu schützen, müssen die Anlagen die geltenden Anforderungen des Immissionsschutzrechts erfüllen. 

Bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen steht das Thema Schall häufig im Mittelpunkt öffentlicher Diskussionen. Denn Windenergieanlagen erzeugen im Betrieb – wie andere technische Anlagen auch – Geräusche. Die als Schall bezeichneten Druckschwankungen, die sich wellenförmig in der umgebenden Luft ausbreiten, entstehen vor allem an den sich drehenden Rotorblättern. Auch Getriebe und Generator erzeugen Geräusche, die jedoch als weniger störend empfunden werden. 

Der Rechtsrahmen für den Lärmschutz

Um die Belastungen für die Bevölkerung auf ein zumutbares Maß zu begrenzen, gelten bei der Genehmigung und beim Betrieb von Windenergieanlagen hohe Anforderungen zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Geräusche. Die rechtliche Grundlage bildet das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG). Insbesondere § 5 BImSchG verpflichtet Betreiber genehmigungsbedürftiger Anlagen, schädliche Umwelteinwirkungen und erhebliche Belästigungen für die Allgemeinheit und die Nachbarschaft zu verhindern. Die Genehmigungsvoraussetzungen sind in § 6 BImSchG geregelt.

Die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) konkretisiert die Anforderungen des Immissionsschutzrechts. Sie enthält eine Systematik zur Beurteilung von Geräuschimmissionen und legt gebietsabhängige Immissionsrichtwerte fest Diese unterscheiden sich beispielsweise für reine und allgemeine Wohngebiete, Misch- und Gewerbegebiete sowie zwischen Tag- und Nachtzeit.

Eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung wird nur erteilt, wenn die gesetzlichen Anforderungen erfüllt sind.. Hierzu muss im Genehmigungsverfahren nachgewiesen werden, dass die zu erwartenden Geräuschimmissionen die maßgeblichen Richtwerte unter Berücksichtigung der vorhandenen Vorbelastung einhalten. Grundlage hierfür ist in der Regel eine Schallimmissionsprognose, die vom Antragsteller vorzulegen ist.

Für die Berechnung der Schallausbreitung bei Windenergieanlagen empfiehlt die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI) das sogenannte Interimsverfahren. Dieses wurde speziell für die Prognose von Geräuschimmissionen hoch liegender Schallquellen entwickelt und modifiziert das Berechnungsverfahren der DIN ISO 9613-2. Die LAI-Hinweise enthalten darüber hinaus weitere Empfehlungen zur Ermittlung und Bewertung der Schallimmissionen sowie zur Durchführung von Messungen.

Weitere Möglichkeiten der Lärmvorsorge

Neben den immissionsschutzrechtlichen Anforderungen können auch planerische Vorgaben dazu beitragen, Nutzungskonflikte zwischen Windenergieanlagen und Wohnbebauung zu vermeiden. Dazu gehören beispielsweise Abstände zwischen Windenergiegebieten und Wohnnutzungen.

Die Länder können unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen landesrechtliche Mindestabstände für Windenergieanlagen festlegen. Die Möglichkeiten pauschaler Abstandsregelungen sind jedoch durch die bundesrechtlichen Vorgaben zur Flächenausweisung für die Windenergie begrenzt. Nach dem Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) müssen die Länder verbindliche Flächenbeitragswerte erreichen. Ergänzend sind die Regelungen des Baugesetzbuches, insbesondere § 249 BauGB, zu berücksichtigen. Abstandsregelungen dürfen die Erreichung der gesetzlichen Flächenziele nicht vereiteln.

Infraschall und Windenergieanlagen


Der menschliche Hörbereich umfasst unter günstigen Bedingungen ungefähr Frequenzen zwischen 20 und 20.000 Hertz (Hz). Als Infraschall werden Schallwellen mit Frequenzen unterhalb von 20 Hz bezeichnet. Sie liegen damit überwiegend außerhalb des menschlichen Hörbereichs. Bei sehr hohen Schalldruckpegeln kann Infraschall allerdings auch vom Menschen als Druck oder Vibration wahrgenommen werden.

Infraschall kommt sowohl in der natürlichen Umwelt als auch im technischen Bereich vor. Zu den natürlichen Quellen zählen beispielsweise Wind über Feldern und Wäldern, Meeresbrandung, Wasserfälle und Gewitter. Zu den technischen Quellen zählen unter anderem Waschmaschinen, Kühlschränke, Klimaanlagen, Baumaschinen, Autos und Flugzeuge.

Bei der Planung und Realisierung von Windenergieprojekten äußern Anwohnende immer wieder die Sorge, dass der von Windenergieanlagen erzeugte Infraschall gesundheitsschädlich sein könnte. Tatsächlich entsteht beim Betrieb der Anlagen neben dem hörbaren Schall auch Infraschall, der unter anderem durch die aerodynamischen Vorgänge an den Rotorblättern verursacht wird. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, wonach dieser Infraschall gesundheitsschädliche Auswirkungen haben kann. Bereits in der näheren Umgebung von Windenergieanlagen liegt der Infraschall weit unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle und nimmt mit zunehmender Entfernung von der Anlage deutlich ab. 

Zur Verunsicherung in der öffentlichen Debatte trug insbesondere eine Untersuchung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2017 bei. Darin wurden die Infraschallpegel von Windenergieanlagen aufgrund eines Rechenfehlers um 36 dB überschätzt. Im Jahr 2021 korrigierte die BGR ihre Ergebnisse. Die Abweichung entspricht beim Schalldruck etwa einem Faktor von 63 und bei der Schallintensität einem Faktor von rund 4.000. Die fehlerhaften Werte werden teilweise bis heute in der öffentlichen Diskussion angeführt und tragen dazu bei, die tatsächliche Infraschallbelastung durch Windenergieanlagen erheblich zu überschätzen. Auch können negative Erwartungen gegenüber Infraschall die Wahrnehmung körperlicher Empfindungen verstärken und dazu führen, dass Beschwerden einer vermeintlich schädlichen Umweltbelastung zugeschrieben werden. Dieses Phänomen wird als Nocebo-Effekt bezeichnet. 

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Portrait Claudia Bredemann
Claudia Bredemann
Referentin Natur- und Artenschutz, Planung und Genehmigung